Dienstag, 28. Juni 2016

"Kybernetiq": "Schon hat man seine neue Bedrohung"

Das von deutschen Jihadisten herausgegebene Magazin "Kybernetiq" sorgte seit seiner erstmaligen Veröffentlichung für weltweite Schlagzeilen. Der amerikanische Dienstleister für Jihadisten-Beobachtung "SITE Intelligence" schrieb das 15-seitige Blatt dem sog. Islamischen Staat (IS) zu. Viele Medien folgten dieser Darstellung. Nun kündigen die Macher eine zweite Ausgabe an - und wollen über ihre Motive Auskunft geben.

Von Heiner Vogel

Die Macher von "Kybernetiq" kündigen eine neue Ausgabe ihres gleichnamigen Magazins an. Im Vorwort, das "Erasmus Monitor" vorliegt, kritisieren die Autoren die aus ihrer Sicht fehlerhafte Rezeption ihrer ersten Veröffentlichung (Kybernetiq No.1), die sie im Dezember vergangenen Jahres veröffentlicht hatten.

Unter dem Titel "Von werdenden Hackern und Möchtegern-Journalisten", kritisiert ein Mitglied der Redaktion namens "Brandstifter" die angeblich fehlerhafte Berichterstattung über ihr Magazin. Demnach sei im Zuge der Veröffentlichung der Eindruck enstanden, dass die Gruppe, die sich in Syrien verortet, zum IS gehöre. Dies hatte anfangs das amerikanische Dienstleistungsunternehmen  "SITE Intelligence" behauptet und laut "Brandstifter" "den Stein ins Rollen" gebracht ("Erasmus Monitor" berichtete dazu).

Zahlreiche Medien hatten über "das erste deutschsprachige Jihad-Magazin" berichtet, unter anderem die FAZ, der SPIEGEL und die Welt. Häufig wurde das Magazin als potenziell gefährlich beschrieben. Doch zur Radikalisierung von jungen Menschen eignet sich "Kybernetiq" wohl weniger. Zu ungewöhnlich und uneindeutig ist die Sprache im Heft. Vielmehr handelt es sich um "Aufklärung" und Handlungsanweisungen zum konspirativen Umgang mit Kommunikationssoftware, wie sich islamistisch-jihadistische User ausreichend vor staatlicher Überwachung und Ortung schützen können. Als Vorbild dienen wohl deutsche IT-Seiten wie "Heise.de".

Im Stile eines Medienkritikers repliziert "Brandstifter" im "Vorwort" den Verlauf der auch über Deutschland hinaus reichenden Berichterstattung über "Kybernetiq". "Im Zeitalter der Sozialen Netzwerke, die fast im Sekundentakt Nachrichten generieren, leidet die Wahrheit oft darunter", schreibt der Autor. In zahlreichen Ländern seien Falschmeldungen zu "Kybernetiq" von Medien übernommen worden. Diese würden Nachrichten schnell an den Konsumenten weiterreichen. "Halbwahrheiten sollten da kein Problem darstellen, zum späteren Chaos kann ja immernoch hinzugefügt werden, dass die tatsächlichen Fakten doch ein anderes Bild ergeben."

Dass das Magazin dem IS zugeordnet worden sei, könne nur damit erklärt werden, dass die Medien eine neue Bedrohung schaffen wollten. "Schon hat man seine neue Bedrohung und hält seine abgestumpfte Leserschaft auf dem Laufenden: Ein Magazin des mörderischen Islamischen Staats, der böse Hacker für den Cyberkrieg ausbildet." Auch hätten die Autoren neben der fehlenden Verbindung zum IS "nicht zur offensiven und digitalen Kriegsführung" aufgerufen, "geschweige denn Leser zu Hackern ausgebildet."

Gegenüber "Erasmus Monitor" erklärte ein Verantwortlicher von "Kybernetiq", man wolle mit der neue Ausgabe deutlich machen, "dass wir nicht irgendwo in Berlin rumhocken oder einzelne Leute sind." Für die neue Ausgabe des Magazins werden erneut Anleitungen zum "sicheren" Umgang mit Internetprogrammen wie "TOR" und Instant Messengern angekündigt. Zudem sollen Beiträge zur "Guerilla Forensik", "Steganographie" und "Smartphone Sicherheit" erscheinen. Äußerst ungewöhnlich für islamistische Literatur war im ersten Magazin die "Sci-Fi-Reihe" "Die Einheit", in der fiktive Szenarien zum Nahen Osten entworfen werden. Auch sie soll in der kommenden Ausgabe fortgeführt werden.